Trotz relativ kurzer technischer Vorbereitungszeit, gelangen mir an den Europameisterschaften in Schweden sehr gute Wettkämpfe. Mit einer Silbermedaille in der Langdistanz, einem 5. Rang in der Mitteldistanz und einem Schrecken von der Staffel konnte ich vergangenes Wochenende nach Hause fliegen. Nach einigen Tagen Ruhe beginnt ab heute das Training auf die WM in Lausanne… 

Nachdem ich diesen Winter mit leichten Verletzungsproblemen zu kämpfen hatte, war ich gegenüber anderen Jahren nicht in Frühform. In meine Trainingspläne und früheren Erfahrungen hatte ich zwar Vertrauen. Trotzdem war ich erleichtert, dass es dann auch stets aufwärts ging. Nach den Testläufen war ich optimistisch und spätestens nach der Tiomila sicher: an meiner Form sollte es nicht fehlen.

Technisch war das Gelände in Dalarna (Schweden) noch etwas unbekannt – die Woche Vorbereitung reichte aber sehr gut, um die richtigen Konzepte zu finden. War ich doch schon einige Zeit im Norden und ähnlichem Gelände unterwegs. Auch die Qualifikationsläufe waren wichtig, um diese Abstimmung zu finden. Während ich in der Mitteldistanz zum Teil noch die „richtigen“ Fehler beging, um noch etwas davon zu lernen, lief es im Lang Quali sehr gut.
 
Der Start zur Mitteldistanz gelang mir fast optimal. Ich fühlte mich erholt und erkannte die schnellen Routen. Entsprechend meiner zurechtgelegten Taktik nahm ich danach etwas Tempo weg, um den Übergang in die Teile mit dichterer Vegetation gut zu meistern. Zum Posten 9 beging ich aber dann doch einen kleinen Fehler. Ich war nicht vorbereitet, hatte meine Routenwahl nicht getroffen und lief auf direktem Weg Richtung nächsten Posten davon. Unterwegs erst bemerkte ich dann, dass dies eben eine Ausnahme gewesen wäre, wo die direkte Route nicht die schnellste ist… Die Korrektur zurück auf die rechte Route war richtig – der Umweg kostete trotzdem wertvolle Sekunden. Danach lief ich sicher weiter und wartete auf den Übergang über die Brücke. Denn von da weg begann, gemäss meinem Kartenstudium vor dem Lauf, der einfachere und schnellere Schlussteil. Eigentlich erst bei der Auswertung erkannte ich, dass schon ab Posten 16 dieser Wechsel hätte stattfinden müssen… Trotzdem war ich mit dem 5. Rang sehr zufrieden und hatte zudem auch noch etwas Glück mit den Sekunden. 2 Sekunden langsamer und ich hätte das Diplom verpasst.




 

Vor dem Langdistanz Final fühlte ich mich zuerst nicht so frisch. Der Lauf am Vortag war physisch ziemlich hart. Doch nach einigen Minuten Einlaufen lief es immer besser und ich freute mich richtig auf den Wettkampf. Unterwegs war ich dann meist beschäftigt und hatte kaum Zeit, um über mein Lauftempo zu spekulieren. Der enge Kontakt zur Karte war immer gefordert und als ich einmal dachte, ich könnte etwas nachlassen auf der Route, verlor ich prompt die Richtung und rannte zu weit um einen See herum. Kombiniert mit der schlechteren Routenwahl verlor ich zu Posten 6 über 45 Sekunden. Danach fand ich zurück in den Rhythmus und konnte am Ende sogar noch aufdrehen.

Am Zuschauerposten hörte ich, dass ich auf Silber-Kurs lag – gleich schnell wie Valentin Novikov. Zwar starteten nach mir noch einige Favoriten. Doch Lundanes, der in Führung lag, und Novikov waren starke Referenzen. Nach mehr als 75 Minuten fast ausschliesslich alleine im Wald, war dies ein gutes Feedback und ich war motiviert, um nochmals alles zu geben in den letzten Steigungen.

Der 2. Rang bedeutet mir sehr viel. Es war meine erste Medaille an einer grossen Meisterschaft in dieser Disziplin nachdem ich 2007 Weltmeister wurde. Und diese Medaille motiviert mich sehr, nun den letzten Ausdauerblock vor der WM in Lausanne zu starten.

 




Der Staffel-Tag wird mir sicher auch einige Zeit in Erinnerung bleiben. Der Rennverlauf gestaltete sich wie erwartet: es war eng an der Spitze und viele Teams konnten vorne mitlaufen. Nach der ersten Strecke von Marc Lauenstein waren wir mit dabei an der Spitze. Danach hörte ich vom Speaker, dass Daniel Hubmann 2-3 kleinere Fehler unterliefen. Schon hatte ich mit leichtem Rückstand und einer sehr schwierigen Ausgangslage gerechnet für die letzte Strecke. Doch auf den letzten Kilometern der zweiten Strecke konnte Daniel nochmals richtig aufdrehen und ihm gelang eine gute Aufholjagd. Der Rückstand war bei etwa 20 Sekunden auf die Spitze als er oben auf der Brücke im Zielgelände zu sehen war.

Doch was dann folgte, war ein wirklicher Schreckmoment. Ich sah, wie er nach der Brücke einknickte und zu Boden fiel. Zuerst dachte ich an eine Fussverletzung an den Seitenbändern. Doch als er mir dann nach einem langen Kampf im Zieleinlauf entgegenkam, wusste ich, dass es weit schlimmer war. Ich versuchte mich zu konzentrieren und einen Turbo-Start hinzulegen. Es war meine einzige Chance, um die Spitzengruppe nochmals einzuholen. Doch schon zum ersten Posten lief ich nicht so sicher, verlor die Konzentration wieder und wieder. Das Bild von der Übergabe ging mir nicht richtig aus dem Kopf. Ich entschied mich für eine falsche Route über einen Kahlschlag und links vom Sumpf zu Posten 3 und verlor nun entscheidend Zeit. Unterwegs war mir bewusst, dass ich die Gruppe vor mir kaum wieder sehen würde.

Im Ziel kamen dann alle verschiedenen Gefühle zusammen. Schweiz 2 hatte gewonnen – der Europameistertitel in der Staffel blieb also in der Schweiz. Die Meldung über Daniel’s Verletzung und erste Gerüchte. Und auch meine Enttäuschung über den eigenen Lauf und das Resultat.
Nun bleibt nur zu hoffen, dass die Heilung der Achillessehne gut verläuft. Für die WM in der Schweiz haben wir einen starken Läufer verloren. Ich hoffe aber, dass er uns im nächsten Jahr dann umso mehr einheizen wird. Gute Besserung!