Eigentlich sind dies gar keine wirklichen Neuigkeiten mehr. Zu viel Zeit ist schon verstrichen seit der WM in Finnland, als dass nicht die meisten meine Entscheidung schon vernommen hätten. Der Rücktritt ist kein spontaner Beschluss und hat schon gar nichts mit den Resultaten von Vuokatti zu tun. Mit dem Diplomrang in der Langdistanz und meinem offensiven Lauf in der Staffel kann ich sehr zufrieden sein. Klar wäre eine Medaille zum Abschluss schöner gewesen…

 

 

„Keine Medaille“. Das war eine oft gehörte Bilanzierung der WM für das Schweizer Männerteam und trifft auch auf meine Resultate zu. Doch dieses Fazit wird den gezeigten Leistungen nicht gerecht. Natürlich sind unsere Ansprüche und Zielsetzungen jeweils hoch. Auch ich hatte den Platz auf dem Podest für die beiden Einsätze anvisiert – schon nur aus Motivationsgründen. Doch von einer Enttäuschung zu sprechen wäre komplett falsch. Ich werde in den nächsten Tagen meine beiden Läufe noch genauer behandeln und jeweils einen Bericht dazu verfassen.

 

Die Weltmeisterschaften in Finnland waren ein grosses Ereignis. Viele Zuschauer, Live-Übertragungen im Fernsehen, tolle Wettkämpfe und eine grosse Bandbreite an technischen Anforderungen. Während die Langdistanz vor allem traumhafte Wälder zum Geniessen bot, blieben die Schwierigkeiten eher gering. Doch ein hohes Lauftempo und lange Laufzeiten haben schon immer Fehler provoziert. Auch im Sprint wurde gezeigt, wie man in vermeintlich uninteressanten Siedlungsgebieten anspruchsvolle Routenwahlen bauen kann. Die künstlich erstellten Zäune waren in einem vertretbaren Rahmen und machten den Wettkampf spannend. Bei der Mitteldistanz war vor allem die Qualifikation spektakulär und die Staffel bot zur Abwechslung etwas anspruchsvollere Bahnen und komplexere Gabelungen als in den letzten Jahren. Trotzdem blieben die ersten drei Teams wieder mehr oder weniger fehlerfrei…

 

Nicht vergessen werde ich auch die Vorbereitungszeit. Es hat sehr viel Spass gemacht in den Wäldern um Vuokatti und Joensuu zu trainieren. Das perfekte Wetter während den Aufenthalten in diesem Jahr hat sicher dazu beigetragen. Aber auch die Saunagänge, die Seen, der Whirlpool zum selber heizen, die Elche, Bären und Fische hatten alle ihren Anteil.

 

Nun aber zu meinem Rücktritt. Gleich vorneweg: mir ist die Faszination Orientierungslauf nicht abhandengekommen. Ich habe immer noch Lust auf technische Herausforderungen – auch auf Wettkämpfe. Es handelt sich also nicht um einen Entscheid gegen den OL. Nach zehn Jahren mit Weltmeisterschaften habe ich einfach das Gefühl, dass die Zeit für etwas anderes gekommen ist. Meine Motivation ist vielleicht nicht mehr ganz so einfach zu entfachen und der Ehrgeiz hat über die Jahre etwas abgenommen. Ich möchte deshalb neue beziehungsweise andere Herausforderungen. Dass ich seit eineinhalb Jahren immer etwas mit (leichten) Schmerzen zu kämpfen habe (Entzündung des Patella-Sehnenansatzes) spielt dabei nur eine untergeordnete Rolle. Ich trainiere nach wie vor sehr gerne und werde dies auch in Zukunft machen – wahrscheinlich aber nicht mehr zwei Mal täglich…

 

Mein Entscheid ist, dass ich nach dieser Saison den Nationalkader verlassen und stattdessen in Vollzeit zu arbeiten beginnen werde. Ich freue mich auf spannende Projekte als Bauingenieur und möchte diese zweite Faszination in den Vordergrund rücken. Aber auch die sportlichen Ziele gehen mir noch nicht ganz aus. Für das nächste Jahr sehe ich schon die langen Nachtstrecken an Tiomila und Jukola vor mir.

 

Diese Entscheidung ist nicht plötzlich gefallen. Mein Entschluss ist über mehr als ein Jahr gereift. Bereits an der Heim-WM in Lausanne hätte ich mich im Falle einer Goldmedaille in der Langdistanz und in der Staffel wahrscheinlich zurückgezogen. Deshalb waren die ungläubigen Reaktionen aus dem Sportumfeld für mich persönlich fast etwas erstaunlich. Und schon jetzt werde ich nach einem Comeback gefragt. Nun, ich schliesse ein solches nicht aus. Wieso sollte ich mich da einschränken? Aber geplant ist nichts – ansonsten würde es sich ja auch um eine Pause handeln und nicht um den Rücktritt.

 

Fertig ist es aber noch nicht. Nach zwei Wochen Ferien – und beinahe Trainingspause – starte ich mit meinem Aufbau für die Herbstsaison. Ich bin motiviert fürs Training und freue mich insbesondere auf den Weltcup-Final im Aargau. Üben kann ich schon mal am Aargauer 3-Tage-OL vom Wochenende.