Das Gefühl im Ziel war etwas durchmischt. Zum einen war eine grosse Enttäuschung über das Verfehlen einer Medaille da. Gleichzeitig wusste ich aber, dass meine Leistung nicht nur schlecht war. Es hatte nicht viel gefehlt. Und trotzdem: Das Resultat ist wieder einmal das gleiche…

 

 

 

 

Unser Ziel war Gold. Meiner Meinung nach war dies genau richtig und ich freute mich, dass wir uns im ganzen Team so schnell einig darüber waren. Natürlich hiess das nicht, dass wir je nach Rennverlauf mit einer Medaille nicht zufrieden sein könnten. Aber eine Medaille musste es schon sein. Und für mich als Läufer spielt dies letztlich gar keine grosse Rolle. Falls ich die Chance kriegen würde, möchte ich sowieso gewinnen. Ziele hin oder her.

 

Das einzig Schwierige vor dem Rennen, war das Warten in der Quarantäne. Damit wir nichts von der Karte zu sehen bekamen, mussten wir uns abseits halten. Den Sieg der Frauen konnte ich knapp mitverfolgen, mehr aber leider nicht. Auch die super Startstrecke von Fabian Hertner und die gute Vorgabe von Matthias Müller bekam ich nur halbwegs mit. Am Start der letzten Strecke hatten wir 37 Sekunden Rückstand auf Tschechien, 26 Sekunden Rückstand auf Schweden und 3 Sekunden Vorsprung auf Norwegen. Weitere Teams kümmerten mich nicht. Es ging also um die Medaillen und alles war noch möglich.

 

Bereits am Startpunkt lag Olav Lundanes gleich auf. Ich entschied mich für die sehr direkte Route und verlor den Norweger sogleich wieder aus den Augen. Auf der grossen Strasse lag ich wieder 5 Meter vor ihm. Zum Posten folgte er mir anfangs noch, hielt sich dann aber weiter rechts. Ich lief ein paar wenige Meter zu weit ums Dickicht, fand aber den Posten ohne Probleme. Zum zweiten Posten hielt ich direkt auf den Bach zu, da ich den kleinen Pfad nicht eindeutig ausmachen konnte. Das Gelände war hier etwas dichter als erwartet, dafür war der Posten geschenkt. Es folgten ein Abschnitt in der Feinorientierung und anschliessend eine kurze Routenwahl. Vielleicht wegen der Erfahrung zum zweiten Posten entschied ich mich für eine Umlaufroute über den Weg. Die Analyse zeigte, dass ich gleich schnell war wie die Läufer auf der direkten Route.

 

Auf dem Weg zum ersten Posten

 

Posten 2

 

Einziger Sichtkontakt zur Spitze Kleiner Fehler auf der Route

 

Kurz vor dem kleinen Graben auf halben Weg zum 5. Posten war der einzige Moment, bei dem ich nochmals Norwegen vor mir erkannte. Ich hatte also etwas Zeit verloren – auch ohne Fehler. Die anderen zwei Teams mussten also immer noch weiter vorne liegen. Ich ermahnte mich, konzentriert zu bleiben. Meine Chance würde schon noch kommen…

 

Der lange Abschnitt zu Posten 7 beschäftigte mich nur kurze Zeit. Relativ schnell hatte ich erkannt, dass der kleine Pfad hinauf mit Sicherheit auf der Idealroute liegen musste. Also musste ich so schnell wie möglich dorthin gelangen. Ich lief um das erste Dickicht herum und erkannte die halboffenen Teile. Wegen einer kleinen Unachtsamkeit verlor ich leicht die Richtung und wollte den Bach so schnell wie möglich queren. Auf dem Weg konnte ich anschliessend wieder korrigieren. Auch wenn es auf den ersten Blick nach mehr aussah, verlor ich hier weniger als 10 Sekunden.

 

Nun musste ich mich beim zweiten Teil festlegen. Für mich sah die direkte Variante via Schneisen in etwa gleichwertig wie die Pfad-Route weiter südlich aus. Ich entschied mich spontan für direkt. Unterwegs stellte ich fest, dass die Umsetzung nicht leicht werden würde. Ich hielt Ausschau nach dem kleinen Dickicht nach der grossen Strasse. Dort musste ich den Einstieg zur Schneise treffen. Ich kam in ein kleines offenes Gebiet versetzt mit Dornen. Ich musste also gleich beim Beginn der südlichen Schneise sein. Ein paar Meter folgte ich etwas, das an eine Schneise erinnerte, bemerkte dann aber bald, dass ich von der Richtung abkam. Nun hiess es einfach dem Bach folgen und möglichst keine Zeit verlieren. Doch dieser Abschnitt war nur sehr schwierig zu passieren und ich verlor merklich Zeit.

 

Der entscheidende Fehler Gabelungen und Aufholjagd

 

 

Auf den folgenden Posten hatte ich wiederum keine Probleme. Von den Gabelungen bekam ich natürlich nichts mit und versuchte weiterhin, Tempo zu machen. Dass ich auf diesen Posten auf die Spitze etwas Zeit gut machen konnte, zeigt, dass ich schnell unterwegs war.

 

Bei der Zuschauerpassage hörte ich meine Position. Leider wurde damit auch gleich die Hoffnung zerstört, dass ich weiter vorne liegen könnte. Nun wusste ich, dass ich auf einen Fehler angewiesen war. Ein Fehler bei drei Weltklasseläufern, die zusammen unterwegs waren – nicht sehr wahrscheinlich. Aber die Chance bestand. Bis ich dann kurze Zeit später die drei Teams kreuzte. Der Rest war dann Formsache. Die Enttäuschung wegen eines Fehlers bei der Umsetzung der Route war gross. Obwohl auch ohne diesen Fehler die Frage bestanden hätte, ob ich die anderen Teams wirklich aufgeholt hätte.

 

Gabelungen und Aufholjagd II Schlussschlaufe

 

Irgendwie landeten wir in den letzten Jahren immer am selben Punkt. Unsere Teamleistung war zwar gut. Bei drei kurzen Strecken reicht dies einfach nicht. Für die Medaillen lag nicht einmal ein Fehler von einer Minute über drei Strecken drin.

 

 

Wenige Wochen nach dem Rennen freue ich mich bereits auf unsere nächste Gelegenheit. Im nächsten Jahr packen wir das!