Die Saison geht langsam aber sicher in die entscheidende Phase. Mit dem letzten Weltcup Wochenende vor der WM gelang es mir, das gute Gefühl aus dem Training noch mit Resultaten zu festigen. Damit kann ich mich nun voll auf den letzten Feinschliff konzentrieren. Dank den Rängen 4 (Mitteldistanz) und 3 (Sprint) befinde ich mich zudem im Gesamtweltcup auf dem guten dritten Rang. 

 

 

 

Vorbereitung

Die Erfahrung der letzten Jahre hat mich in diesem Jahr dazu bewogen, mich endlich einmal gut zu erholen nach den Europameisterschaften – und dann umso mehr ins Training zu investieren. Zu oft liess ich mich nach den intensiven Wettkämpfen jeweils von der Motivation leiten und geizte mit Ruhetagen. Die anschliessenden Wochen im Engadin waren ideal. Ich konnte mich nach den intensiven Wettkämpfen mental super erholen und gleichzeitig ohne Kompromisse an den Grundlagen trainieren.

Auch das Wochenende in Finnland, an der Jukola, lief hervorragend. Mit meiner eigenen Leistung bin ich zwar nicht ganz zufrieden. Doch mit dem 8. Gesamtrang holte nicht nur ich mein erstes Resultat in den besten 10. Es war auch neuer Klubrekord!

Der einzige Nachteil der Reise in den Norden war, dass ich eindeutig etwas zu wenig schlafen konnte. Nach einem sehr harten Intervalltraining am Mittwochabend fühlte ich mich donnerstags dann auch leicht krank. Ich legte eine Pause ein, hoffte, dass die Reaktion nicht zu spät kam – und hatte Glück. Die beiden Läufe am Postfinance Sprint zählten nämlich nicht nur zum Weltcup. Sie sind gleichzeitig auch Selektionsläufe für die WM in Lausanne.

 

 

Mitteldistanz

Auf eine ganz neue Karte zu treffen, ist in der Schweiz eine Seltenheit. Als Vorbereitung dienten lediglich Landeskarten. Doch auch auf diesen war zu erkennen, dass es eine Besonderheit geben wird: entweder diverse Passagen über Wiesen oder Weiden oder umso mehr in steilen Gräben. Der Anteil an flachen Waldabschnitten konnte auf jeden Fall nicht sehr gross sein.

Der Tag selbst zog sich dann lange dahin. Über drei Stunden musste ich mich in der Quarantäne verweilen bis ich endlich einlaufen konnte. Zum Glück präsentierte sich das Wetter von seiner guten Seite und man konnte etwas draussen im Schatten liegen, Karten spielen oder lesen.

Die aufkommende Nervosität und die Sonne liessen die ersten Schritte im Einlaufen dann etwas mühsam werden. Ich war plötzlich nicht mehr sicher, ob ich mich wirklich ganz erholt hatte von der Erkältung. Doch schon nach einigen Metern im Wettkampf hatte ich diese Gedanken hinter mir gelassen. Ich kämpfte wie alle anderen in den Steigungen und quälte mich das steile Tal hinunter. Unterwegs hatte ich ein unsicheres Gefühl, dass ich mehrmals verdrängen musste. Ich zweifelte etwas am Lauftempo. Gegen Ende des Wettkampfes sah ich dann aber Anders Nordberg weit vor mir. Nun konnte alles möglich sein.

Mit dem vierten Rang bin ich zufrieden. Technisch hatte ich keine grösseren Fehler zu beklagen – auch wenn ich nicht fehlerfrei blieb. Dass ich mit diesem Resultat nur drittschnellster Schweizer war, kam nicht nur überraschend. Trotzdem… An einer Schweizermeisterschaft wäre ich damit wohl nicht nur zufrieden.

 

 

Sprint

Beim Sprint präsentierte sich die Ausgangslage etwas anders. Das Gelände war schon kartiert und durfte im Vorfeld sogar betreten werden. Wir nutzten diese Gelegenheit und studierten die möglichen Schwierigkeiten, vor allem im steileren Teil der Karte. Mit den angekündigten Höhenmetern musste die Bahn in dieser Ecke durchführen.

Speziell für mich war zudem, dass es sich um den ersten grossen Sprint in dieser Saison handelte. Wir hatten zwar bereits einen Nationalen Lauf in Ascona und in Andelfingen. Doch da war die Bahn deutlich zu lange bzw. mit einem Jagdstart ausgetragen worden. An der EM in Schweden liefen in dieser Disziplin andere Schweizer.

Ich startete sehr gut und fand schnell ans Limit. Die Abläufe passten so lange ich frisch war und meine Abschnittszeiten waren konkurrenzfähig mit den Besten. Zu Posten 4 war ich dann etwas in der Defensive und entschied mich für die längere Route mit konstanter Steigung. Zwar konnte ich so die nächste Routenwahl in aller Ruhe vorbereiten, verlor aber auch einige Sekunden. Von Posten 8 her verlor ich etwas den Fluss und musste einige Male kämpfen. Nicht nur auf den schnellen läuferischen Passagen, sondern auch auf der Karte. Es folgten kleine Unsicherheiten zu 13, 16 und 18.

Die Schlussschlaufe war dann nur noch ein Kampf gegen die aufkommende Müdigkeit. Doch der unterstützende Lärm bei der Passage trug mich ein gutes Stück weit. Wie immer war die Stimmung an diesem Sprint einzigartig im Weltcup. So macht Sprint einfach Spass!

 

 

Bereits morgen und Mittwoch folgen die letzten beiden Selektionsläufe für die WM. Dank meinen bisherigen Resultaten kann ich sicher selbstbewusst nach vorne schauen. Gelegenheiten mit Wettkämpfen in WM-relevanten Geländen sind aber rar und ich will alle optimal nutzen.